Erste Deutsch-Belgische Konferenz

Prof. Dr. Jürgen Mlynek (Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren), Yves Leterme (belgischer Außenminister), Mark Geleyn (belgischer Botschafter in Berlin), Prof. Dr. Reinhard Bettzuege (deutscher Botschafter in Belgien) Bild vergrößern Prof. Dr. Jürgen Mlynek (Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren), Yves Leterme (belgischer Außenminister), Mark Geleyn (belgischer Botschafter in Berlin), Prof. Dr. Reinhard Bettzuege (deutscher Botschafter in Belgien) (© Deutsche Botschaft Brüssel)

Am 14. und 15. Oktober 2009 fand in Brüssel auf Initiative des Deutschen Botschafters Prof. Dr. Reinhard Bettzuege die erste Deutsch-Belgische Konferenz statt. Nachdem der Botschafter die Gäste unter dem Motto „Partners in innovation and education“ willkommen geheißen hatte, eröffnete der belgische Außenminister Yves Leterme die Veranstaltung. Der Botschafter stellte die Relevanz der Pflege der deutsch-belgischen Beziehungen, vor allem hinsichtlich Ausbildung und Zusammenarbeit in Technik und Forschung, dar und wies insbesondere darauf hin, dass beide Länder für einander einen wichtigen Handelspartner darstellen. Aus diesem Grund solle sich aus dieser ersten Konferenz eine sich jährlich wiederholende Tradition zur Erörterung gemeinsamer relevanter Themen entwickeln. Bereits im kommenden Jahr organisiert die Bertelsmann-Stiftung unter dem Thema Integration die nächste gemeinsame Konferenz in Berlin. Außenminister Leterme wies auf die Bedeutung der Beziehungen beider Länder hin und darauf, dass rohstoffarme Länder in Bildung und Wissen investieren müssten. In diesem Zusammenhang bedauerte er es, dass heute so wenige Belgier die deutsche Sprache erlernen, was insbesondere aufgrund der starken wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland erstrebenswert sei.

Der erste Tag der Konferenz stand unter dem Motto „Partners in Innovation“ und gab Wissenschaftlern aus Belgien und Deutschland die Gelegenheit den Aufbau und die Facilitäten von Wissenschaft und Technik sowie der Forschung in diesem Bereich vorzustellen. Ebenso wie Didier Hellin vom belgischen Wirtschaftsministerium, welcher in Vertretung für Wirtschaftsministerin Sabine Laruelle die Vortragsreihe einleitete und die Bereiche Ausbildung, Forschung und Entwicklung als treibende Kraft in den Zeiten der Krise hervorhob, betonte auch Prof. Dr. Jürgen Mlynek, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, die Wichtigkeit von guter Infrastruktur und Ausbildung insbesondere während der Krise. Sowohl für Deutschland als auch für Belgien seien diese Aspekte, vor allem unter dem Gesichtspunkt zukunftsweisender Gebiete wie Energie und Gesundheit, relevant, wobei eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe unerlässlich sei. Es sei aufgrund des hohen finanziellen Bedarfs von Forschung und Entwicklung erforderlich, die Priorität dieser Investitionen an die Gesellschaft zu vermitteln. Von belgischer Seite wies die Generalsekretärin der FWO (Research Foundation Flanders), Dr. ir. Elisabeth Monard, auf die wirtschaftliche Stellung Flanderns im globalen Vergleich hin und betonte die Notwendigkeit des Nachwuchses in der Forschung. Eine Rolle spiele dabei auch die hohe Zahl an Co-Publikationen mit Wissenschaftlern in Deutschland. Ihre Kollegin der FNRS, dem Pendant der französischen Gemeinschaft, Dr. ir. Véronique Halloin, stellte ihre Beteiligung an der Forschung dar und betonte in internationaler Hinsicht, dass es derzeit noch keine Kooperationsverträge mit Deutschland gebe, jedoch die Zahl der gemeinsamen Co-Publikationen steigend sei. Wichtig sei insbesondere die Kommunikation mit den Hauptakteuren, nämlich den Forschern, der Politik und der Gesellschaft.

Im Anschluss fand eine Darstellung bereits existierender wissenschaftlicher Zusammenarbeit statt. Im Rahmen einer Präsentation durch Professoren belgischer und deutscher Universitäten und privater Forschungsinstitute, wie der Max Planck Gesellschaft, dem Fraunhofer-Institut und der IMEC, wurden Beispiele im Bereich des Klimawandels, der Nanotechnologie, der Nuklearphysik sowie der Luft- und Raumfahrttechnik erläutert. Einheitlich betonten die Experten dabei die Notwendigkeit der Zusammenarbeit auf internationaler oder europäischer Ebene, aber auch durch bilaterale Kollaboration insbesondere hinsichtlich kleinerer Projekte, da dies für die Finanzierung der Projekte, aber auch – so im Bereich des Klimawandels – für die Effektivität der Maßnahmen erforderlich sei. Es müsse aufgrund der benötigten Langzeitprojekte im Klimawandel, welche eine über 20 Jahre und mehr dauernde Beobachtung erfordern, das Problem der derzeit bestehenden nationalen und europäischen drei- bis fünfjährigen Forschungsprogramme gelöst werden. Im Bereich der Zusammenarbeit wurden allseits die bereits bestehenden ERASMUS und ERASMUS MUNDUS Programme gelobt. Als Ergebnis erfolgreicher Zusammenarbeit im Bereich der Europäischen Weltraumorganisation ESA begrüßte der derzeit auf der Internationalen Raumstation ISS befindliche belgische Astronaut Frank De Winne via Videobotschaft das Publikum.

Mit einer Rede von Hans de Wolf, welcher die Notwendigkeit, die Kunst als Wissenschaft anzuerkennen, herausarbeitete, endete der wissenschaftliche Teil des ersten Konferenztages.

Der Schwerpunkt des zweiten Konferenztages lag in der Zusammenarbeit im Bereich der Ausbildung. Im Rahmen eines Workshops arbeiteten deutsche und belgische Vertreter der Universitäten und der DAAD (Deutsche Akademischer Austausch Dienst) die bereits bestehenden Programme des Austauschs und der Internationalisierung der universitären Ausbildung als Basis einer erfolgreichen späteren wissenschaftlichen Zusammenarbeit heraus. Als grundlegend wurde dabei das Interesse an seinen Nachbarländern und dem Beherrschen der europäischen Sprachen angesehen, wozu das ERASMUS Programm wegweisend sei. Es sei jedoch notwendig, die Zusammenarbeit im Ausbildungsbereich auf bilateraler Ebene zwischen Belgien und Deutschland zu intensivieren, indem das Interesse der Studenten für das jeweils andere Land geweckt bzw. verstärkt werden müsse. Die bereits bestehende Zusammenarbeit im Bereich von Master- und Doktoratsprogrammen müsse, insbesondere auch durch qualitative Angleichung der Abschlüsse, ausgebaut werden, ohne dass die Reputation der jeweiligen Abschlüsse hierunter leide. Mit einer gemeinsamen Diskussion zum Thema Ausbildung ging am 15. Oktober 2009 die erste Deutsch-Belgische Konferenz zu Ende.

Still aus der Videobotschaft des belgischen Astronauten Frank De Winne aus der Internationalen Raumstation ISS an die Teilnehmer der 1. Deutsch-Belgischen Konferenz

Videobotschaft aus dem All

Der belgische Astronaut Frank De Winne schickte eine "Botschaft aus dem All" aus der Internationalen Raumstation ISS an die Teilnehmer der ersten Deutsch-Belgischen Konferenz